
PETINGEN |
Schloss Petingen und die Familie Nothomb |
Bereits im Jahre 1745 soll Schloss Petingen im Besitz der Familie Nothomb gewesen sein. Es war ein prächtiger Bau mit rechteckigem Mittelgebäude und
beidseitig angelehnten, identischen Giebelgebäuden. Diese waren mit je vier Ecktürmen versehen (Treppentürmchen). Die herrlichen Fensterbögen und Türabschlüsse trugen stilisierte Lilien mit symetrisch angeordneten Blättern, die spiralförmig aufgewickelt waren.
Diese wunderbare Steinhauerarbeit ging leider im laufe der Zeit verloren. 1893-94 liess Baron C.D.Alphonse Nothomb grössere Reparaturarbeiten am Schloss vornehmen (Kaminausbau, Treppenhausumbau, Dachausbau an der Nordseite).
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1906 wurde das Schloss von den Erben des Barons zum Verkauf angeboten. Die Gemeindeverwaltung war zwar am Bau interessiert, aber die Räte konnten sich nicht
über den Preis einigen! So wurde erst 1908 der Kaufakt abgeschlossen: 60 000 Fr für das Schloss samt Schlossgarten, Stallungen und Dependenzien mit einer Gesammtfläche von 168.95 Ar.
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Die Verwaltungsräume der Gemeinde waren im Untergeschoss eingerichtet; das gesammte Obergeschoss wurde zu Schulsälen umgebaut. Zwischengewände wuren abgetragen
und Giebelfenster wurden neu gebrochen. 1911 wurde ein Musiksaal im Schloss eingerichtet. Die Nebengebäude wurden abgetragen und im Schlossgarten wurde der heutige Park angelegt. Die herrlichen Blutbuchen standen sicherlich schon zur Zeit des Barons.
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Schriftlich belegt ist auch der grosse Umbau des Ostgiebels im Jahre 1918 um den Schulsaal von Lehrer Goergen besser zu beleuchten. Der ganze Giebel wurde bei
dieser Gelegenheit ausgebessert und erhielt einen neuen Verputz. Es war denn auch der Westgiebel, der später die grössten Risse zeigte und einzustürzen drohte. Das Innentürmchen am Westgiebel brach völllig durch und 1935 fasste der Gemeinderat den Entschluss das alte Schloss abzureissen und
an derselben Stelle ein neues Gemeindehaus zu errichten.
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Der Architekt C. Depollo hatte gemeinsam mit dem Konduktor J.-P. Colas eine Vorstudie entworfen, wie das Schloss hätte erweitert werden können. Der Staatrarchitekt und
die Oberbehörden befürworten jedoch einen Neubau und so wurde bereits am 20. Mai 1936 von Bürgermeister P.J. Hamer der Grundstein zum neuen Rathaus gelegt. Am 15. Mai 1938 konnte es feierlich eingeweiht werden |
In der Festschrift zur Einweihung des neuen Rathauses in Petingen sagt der Erbauer selber:"In Höhe mit seinen drei Geschossen nimmt das Rathaus in seinem Hauptbau die
Schlüsselstellung zu den umliegenden Parkanlagen ein und lässt die schöne Ruhe des mächtigen Schulhauses eine Antwort finden in seinem gleicherweise steil aufgereckten Schieferdach. Auch schliesst sich die Form des Rathauses in einem gewissen Sinne derselben Linienführung an. "Die gesamte Platzanlage mit dem Rathaus, unter der Anleitung der HH. Architekten C. Depollo aus Petingen und H. Luja aus Luxemburg in einer gediegenen inneren und äusseren Ausführung, wirken harmonisch und imposant, sowie Zeit und Zweckentsprechend" |
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Die Familie Nothomb Jean-Baptiste I Nothomb starb in Petingen im Schloß am 17.Januar 1914. Aus Messancy (Arlon) kommend hatte er sich seit 1810 in Petingen zurückgezogen. J.B. I Nothomb hatte Hélène Schouweiler aus Niederkerschen geheiratet. Aus dieser Heirat gingen drei Kinder hervor:Jean-Baptiste II Nothomb (1805),der späterer belgische Staatsminister, Jean-Pierre Nothomb (1807) Marie-Rosalie Nothomb (1808), Hélène Schouweiler war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit: "C'était une femme d'une rare beauté et d'une grande intelligence .. elle éleva admirablement ses enfants". J.B I Nothomb starb bereits 1814. |
Dominique Nothomb, sein Bruder heiratete die Witwe Hélène Schouweiler (Heiratsakt vorn 28 März 1815). Am 15. Mai 1819 wurde Dominique Nothomb zum Bürgermeister der Gemeinde
Petingen gewählt. (Sehe Auszug aus dem Gemeinderegister). Er war bis 1836 im Amt und starb am 17 Januar 1844 auf Schloss Petingen. "Il fit les compagnes de 1813 et 1814 comme garde d'honneur de l'empereur et fut blessé devant Mayence" . Aus seiner Ehe mit der Witwe seines Bruders gingen zwei Kinder hervor:
eine Tochter Clementine und ein Sohn Alphonse. Alphonse ,Jean-Pierre, Dominique, Camille, Ambroise Nothomb war am 12 Juni 1817 auf Schoß Petingen geboren (siehe Auszug aus dem Geburtenregister) und verstarb dort am 14. Mai 1898. Er ist Petingens bedeutendster Sohn. Zuerst war er "Conseiller Provincial du Luxernbourg "
dann "Substitut du Procureur du Roi" in Arlon, danach bekleidete er das gleiche Amt in Neufchateau. Nachdem er während einiger Zeit Generaladvokat bei der "Cour d'Appel" in Brussel geworden war wurde er belgischer Justizminister und erfüllte diese Funktion vom 30.03.1855 bis zum 9.11.1857. Ab 1892 war er Mitglied
des Repräsentantenhauses für das Arrondissement von Turnhout und von Arlon. Von 1834 bis zum Tode Senator für Luxemburg.
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Zur höchsten Ehre gelangt Alphonse Nothomb 1884 als er belgischer Staatsminister wurde. Dieses hohe Amt hatter er bis 1893 inne. Die Baronswürde mit dem Titel "Excellence" wurde ihm 1886
zugesprochen mit dem Erbrecht für alle seine Nachkommen. Ab 1893 zog sich Baron Alphonse Nothomb nach Petingen in den Ruhestand zurück. Auf dem hiesigen Schloss verschied am 14. Mai 1898. Wilhelmine Pescatore (29.3.1826 12.7.1897) hatte Alphonse Nothomb auf Schoss Befort geheiratet. Aus ihrer Ehe gingen 4 Kinder hervor: Hélène, Baronne d'Huart (1848 1905) Paul, J.P.A. Nothomb (1850 1908) Lucien, P.M.L. Nothomb (1856 1919) A. Léon Nothomb (1858 1895) |
Jean-Baptiste II Nothomb, der berühmte Staatsmann war in Messancy geboren und lebte nur einige Jahre in seiner Jugend auf Schloss Petingen. Er war der ältere Halbbruder von Baron Alphonse Nothomb aus
der ersten Ehe seiner Mutter mit J.B.I Nothomb. Mit 25 Jahren wurde er in den belgischen Kongress gewählt. Er schrieb 1833, einen "Essai historique et politique sur la Révolution Belge " und unterschrieb den Londoner Vertrag der 24 Artikel, für Belgien.Am 13. April 1841 wurde er Belgischer Ministerpräsident und starb am
16. September 1881. Jean-Baptiste II Nothomb liegt in der Familiengruft seiner Schwiegereltern, der Familie Boch in Rollingergrund begraben.
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